Wann brauchen Gründer einen Steuerberater?
Die ehrliche Antwort: früher, als die meisten denken.
Viele Gründer kommen erst nach dem ersten Geschäftsjahr in die Kanzlei. Da ist die Rechtsform gewählt, das Konto eröffnet, die ersten Rechnungen geschrieben und manchmal auch die ersten Fehler dokumentiert. Reparatur ist möglich, aber teurer als Vorsorge.
Sinnvolle Zeitpunkte für den ersten Termin:
- Vor der Gründung, wenn Rechtsform und Gesellschafterstruktur noch offen sind
- Bei der ersten Finanzierungsrunde, weil Beteiligungsverträge steuerliche Folgen haben
- Bei der Einstellung des ersten Mitarbeiters, spätestens bei Lohnabrechnung und Sozialversicherung
- Wenn Sie über ESOP, VSOP oder Forschungszulage nachdenken
Wer eine Cap Table baut, ohne die steuerliche Behandlung von Liquidation Preferences zu kennen, baut sich oft Probleme für den Exit ein.
Welche Rechtsform passt für Ihr Startup?
Die meisten Berliner Startups wählen zwischen vier Optionen:
GbR. Günstig, schnell, ohne Stammkapital. Aber: persönliche Haftung. Für Pre-Seed-Pilotphasen mit zwei Gründern ohne externes Kapital denkbar, sonst kein VC-fähiges Vehikel.
Einzelunternehmen. Nur für Solo-Gründer ohne Beteiligungspläne. Skaliert nicht.
UG (haftungsbeschränkt). Häufig die erste Wahl, weil ab 1 Euro Stammkapital. Realität: Investoren wollen meist eine GmbH sehen. Eine UG mit ernstem Pitch wirkt oft unfertig. Außerdem besteht eine Aufstockungspflicht: 25 Prozent des Jahresgewinns müssen in eine Rücklage, bis das GmbH-Stammkapital erreicht ist.
GmbH. Standard für VC-finanzierte Startups in Berlin. 25.000 Euro Stammkapital, davon mindestens 12.500 Euro bei Gründung. Höhere Glaubwürdigkeit gegenüber Investoren, Banken, Behörden. Steuerlich klare Trennung zwischen Gesellschaft und Gesellschaftern.
Holdingstruktur (GmbH unter GmbH). Für Gründer, die später einen Exit planen, oft die strategisch sinnvollste Konstruktion. Beim Verkauf der operativen GmbH sind nur 5 Prozent des Gewinns steuerpflichtig (§ 8b KStG), 95 Prozent bleiben in der Holding steuerfrei. Vorausgesetzt, die Holding wurde rechtzeitig aufgesetzt. Wer hier zu spät kommt, lässt im Exit-Fall sechs- bis siebenstellige Beträge liegen.
Unsere Empfehlung: Wenn Sie von Anfang an ein VC-finanziertes Wachstumsunternehmen aufbauen wollen, denken Sie früh über Holding plus operative GmbH nach. Wenn Sie ein bootstrap-finanziertes SaaS-Geschäft starten, reicht oft die direkte GmbH-Gründung. Eine UG ist selten der richtige Weg, wenn Sie professionelles Kapital aufnehmen wollen.
Wie wird das Honorar berechnet?
Konkrete Zahlen besprechen wir im persönlichen Gespräch, weil jedes Startup einen eigenen Schnitt aus Komplexität, Volumen und Phase hat. Eine pauschale Antwort wäre unseriös.
Was wir Ihnen aber transparent erklären können, ist die Logik dahinter:
Rechtlicher Rahmen. Steuerberatungshonorare richten sich nach der Steuerberatervergütungsverordnung (StBVV). Sie definiert Gegenstandswerte, Mindest- und Höchstgebühren und schützt damit auch unsere Mandanten vor willkürlichen Abrechnungen.
Pauschalen statt Einzelposten. Für junge Unternehmen arbeiten wir bevorzugt mit Monatspauschalen. Das schafft Planbarkeit und vermeidet die Situation, dass Sie sich vor jeder Rückfrage fragen, ob jetzt der Taxameter läuft. Pauschalen wachsen mit dem Unternehmen mit und werden in vereinbarten Abständen überprüft.
Drei Faktoren bestimmen den Aufwand. Volumen (Anzahl Buchungen, Mitarbeiter, Geschäftsvorfälle), Komplexität (ESOP, internationale Umsätze, Holdingstruktur, Forschungszulage) und Phase (Pre-Revenue, Wachstum, Pre-Exit). Wir machen das im Erstgespräch transparent, damit Sie nachvollziehen können, woraus sich Ihr Angebot ergibt.
Verbindliches Angebot nach dem Erstgespräch. Wir nennen Ihnen keine Phantasiezahlen, sondern ein konkretes Angebot, sobald wir Ihr Setup verstanden haben. Sie wissen vor dem ersten Beleg, was bei Ihnen läuft und was es kostet.
Welche Förderungen gibt es für Berliner Gründer?
Berlin hat eine der dichtesten Förderlandschaften in Deutschland. Die wichtigsten Hebel:
IBB Berlin Startup Stipendium. Sechsmonatige Förderung in der frühen Phase, ohne Rückzahlung. Wird über die Investitionsbank Berlin und Partner-Inkubatoren vergeben.
Berlin Innovativ und Berlin Kredit Innovativ. Förderkredite der IBB, oft mit Tilgungszuschuss.
EXIST-Gründerstipendium. Für Gründer aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Wissenschaftlicher Background ist Voraussetzung.
Forschungszulage (§ 4 FZulG). Steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung. Bis zu 35 Prozent der förderfähigen Personalkosten werden als Zulage gewährt, ausgezahlt unabhängig von der Gewinnsituation. Besonders relevant für DeepTech, ClimateTech und SaaS-Startups mit echter Entwicklungsleistung. Antrag läuft über die BSFZ und das Finanzamt. Der Aufwand lohnt sich oft schon im ersten Jahr.
BAFA-Förderung Unternehmerische Know-how. Zuschuss für externe Beratungsleistungen, auch steuerliche.
Was viele Gründer übersehen: Förderungen sind kein passives Einkommen. Sie müssen sauber beantragt, dokumentiert und in der Buchhaltung korrekt behandelt werden. Eine falsch verbuchte Forschungszulage kann den Vorteil bei der nächsten Betriebsprüfung wieder kosten.
ESOP, VSOP und Investorenstruktur
Wer Talente halten will, braucht Beteiligungsprogramme. Das Zukunftsfinanzierungsgesetz hat 2024 mit dem neuen § 19a EStG die Versteuerung von Mitarbeiterbeteiligungen deutlich entschärft. Trotzdem bleibt das Thema komplex:
- ESOP (Employee Stock Option Plan): echte Anteile. Versteuerung bei Ausübung als geldwerter Vorteil, was zum berüchtigten Dry-Income-Problem führen kann
- VSOP (Virtual Stock Option Plan): virtuelle Anteile mit schuldrechtlichem Anspruch. Steuerlich wie Bonuszahlung, aber rechtssicher und ohne notarielle Beurkundung umsetzbar
- Wandeldarlehen, SAFE-Notes und Convertibles: häufige Pre-Seed-Instrumente. Steuerlich sauber zu dokumentieren, da die Wandlung später Folgen für Anschaffungskosten und Kapitalrücklage hat
Wir empfehlen, Beteiligungsstrukturen vor Investorengesprächen mit dem Steuerberater zu klären. Wer im Term Sheet zustimmt, ohne die steuerlichen Folgen verstanden zu haben, zahlt später dafür.
Warum digitale Steuerberatung zu Startups passt
Startups arbeiten in Echtzeit. Buchhaltung im Quartalsrhythmus passt nicht zu wöchentlichen Investor-Updates. Deshalb setzen wir für unsere Startup-Mandanten konsequent auf digitale Tools:
- DATEV Unternehmen Online für laufende Belegerfassung und sofortige Auswertungen
- MyDATEV für strukturierte Kommunikation zwischen Mandant und Kanzlei
- Schnittstellen zu lexoffice, sevDesk, sevdesk und stripe, je nach Setup
- Monatliche BWA statt jährlicher Bilanz-Erkenntnisse
- Forecast-fähige Auswertungen für Cashflow-Planung in der nächsten Funding-Runde
Eine Berliner Kanzlei, die digital arbeitet, schickt Ihnen keine Belegliste per Post. Sie liefert Ihnen einen klickbaren Stand Ihrer Finanzen, wann immer Sie ihn brauchen.
Wer tiefer einsteigen will: In unserem Beitrag Digitale Tools in der Steuerberatung Berlin zeigen wir das konkrete Setup.
Was wir bei Goerke und Partner für Startups tun
Wir beraten Berliner Gründer und Startups in allen Phasen, von der Gründungsplanung bis zur Exit-Vorbereitung. Konkret:
- Gründungsberatung: Rechtsform, Holdingstruktur, Gesellschaftervertrag, steuerliche Wahlrechte
- Laufende Beratung: DATEV-basierte Buchhaltung, Umsatzsteuer, Lohn, Jahresabschluss
- Förderung: Antrag und Begleitung der Forschungszulage, BAFA, IBB-Schnittstellen
- Beteiligungen: ESOP- und VSOP-Programme, Wandeldarlehen, SAFE-Notes
- Internationalisierung: Umsatzsteuerliche Themen für SaaS und Digitalprodukte im EU- und Drittlandsgeschäft
- Exit-Vorbereitung: Holdingstruktur, Verkaufsprozess, Anschaffungskosten und Kapitalkonten
Wir arbeiten von Berlin Mitte aus, kennen die hiesige Förderlandschaft und sprechen die Sprache der Berliner Investorenszene. Wir sind keine Massenkanzlei, sondern arbeiten mit Mandanten, die wir auch verstehen wollen.
So läuft der Erstkontakt
Ein erstes Gespräch dauert in der Regel 45 bis 60 Minuten, ist kostenlos und verbindlich nur für uns: Wir prüfen vorab, ob wir der richtige Partner für Sie sind. Was wir wissen wollen:
- In welcher Phase steht Ihr Unternehmen?
- Welche Rechtsform haben Sie und welche Investoren sind beteiligt?
- Was funktioniert in Ihrer Buchhaltung und was nicht?
- Was erwarten Sie konkret von einer Steuerkanzlei?
Wenn es passt, machen wir ein Angebot mit klarer Pauschale und sauberem Onboarding. Wenn nicht, empfehlen wir Ihnen jemanden, bei dem es besser passt.
Wenn Sie ein Berliner Startup gründen oder Ihre bestehende Steuerberatung nicht zur Geschwindigkeit Ihres Unternehmens passt, sprechen wir gern. Termin für ein Erstgespräch vereinbaren.
Daniel Daubner
Steuerberater & Geschäftsführer
Goerke & Partner, Berlin
Wann sollte ich als Gründer einen Steuerberater einschalten?
Idealerweise vor der Gründung. Rechtsform, Beteiligungsstruktur und steuerliche Wahlrechte legen Sie einmal fest. Spätere Korrekturen sind möglich, aber aufwendig und teuer. Spätestens vor der ersten Finanzierungsrunde oder vor der Einstellung des ersten Mitarbeiters sollten Sie steuerlich beraten sein.
Welche Rechtsform passt für mein Startup in Berlin?
Das hängt davon ab, wie Sie finanzieren und wachsen wollen. Für VC-finanzierte Wachstumsunternehmen ist die GmbH Standard, oft kombiniert mit einer Holding für Exit-Optimierung. Eine UG ist nur in Ausnahmen die richtige Wahl, da Investoren meist eine GmbH erwarten. Für bootstrap-finanzierte SaaS-Gründungen reicht häufig die direkte GmbH.
Was kostet ein Steuerberater für ein Startup in Berlin?
Konkrete Zahlen besprechen wir im persönlichen Erstgespräch, weil das Honorar von Volumen, Komplexität und Unternehmensphase abhängt. Der Rahmen ist die Steuerberatervergütungsverordnung (StBVV). Für junge Unternehmen arbeiten wir mit Monatspauschalen, die Planbarkeit schaffen und mit dem Startup mitwachsen. Sie bekommen nach dem Erstgespräch ein verbindliches Angebot, bevor wir den ersten Beleg sehen.
Welche Förderungen gibt es für Berliner Gründer?
Die wichtigsten sind das IBB Berlin Startup Stipendium, Berlin Innovativ als Förderkredit, das EXIST-Gründerstipendium für Hochschulausgründungen und die Forschungszulage als steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung. Hinzu kommen BAFA-Zuschüsse für Beratung und branchenspezifische Programme.
Was ist die Forschungszulage und lohnt sich der Antrag?
Die Forschungszulage ist eine steuerliche Förderung nach dem Forschungszulagengesetz. Bis zu 35 Prozent der förderfähigen Personalkosten für Forschungs- und Entwicklungsprojekte werden als Zulage ausgezahlt, unabhängig von der Gewinnsituation. Für DeepTech-, ClimateTech- und Entwicklungs-orientierte SaaS-Startups lohnt sich der Antrag fast immer.
Wie funktioniert ESOP- und VSOP-Versteuerung bei Mitarbeiterbeteiligungen?
ESOP führt zu einer Versteuerung als geldwerter Vorteil bei Ausübung, was ohne Liquidität problematisch sein kann. Das Zukunftsfinanzierungsgesetz hat hier mit § 19a EStG Erleichterungen geschaffen. VSOP wird schuldrechtlich als Bonuszahlung behandelt und ist einfacher umzusetzen, auch ohne Notar. Welche Variante passt, hängt von Unternehmensphase, Investorenstruktur und Mitarbeiterprofil ab.
Quellen & rechtliche Grundlagen
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